Der weibliche Zyklus aus ayurvedischer und physiologischer Sicht – ein Überblick

Menstruationszyklus

Hierzulande wird Ayurveda manchmal auf die Ernährung oder auch die Manualtherapie reduziert, diese wundervolle Erfahrungswissenschaft bietet allerdings noch viel mehr. Unter anderem diverse Empfehlungen zur Chronobiologie die auch heute noch hoch aktuell sind. Die Chronobiologie befasst sich mit der zeitlichen Organisation von biologischen Systemen. Darunter fallen die Jahreszeitenzyklen, die Tageszeitenzyklen und auch der Menstruationszyklus. Auf alle drei Zyklen bin ich in meinem Buch eingegangen. An dieser Stelle wollen wir uns den weiblichen Zyklus anschauen. Der Zyklus besteht aus verschiedenen Abschnitten: der Menstruation, der Follikelphase, der Ovulation und der Lutealphase. Während jeder dieser Phasen passiert nicht nur viel in unserem Körper, die Hormone haben auch Einfluss auf unseren Gemütszustand.

Die Menstruation – Vata in the house

Als erster Tag des Zyklus wird der erste Tag der Menstruation gezählt. Eine Blutung zwischen drei bis sieben Tagen gilt als normal. Die beiden Hormone Progesteron und Östrogen haben kurz vor der Blutung begonnen abzunehmen. Das führt dazu, dass die Gebärmutterschleimhaut, welche im vorherigen Zyklus immer weiter aufgebaut wurde, mit dem Menstruationsblut ausgestoßen wird. In dieser Phase, der Blutungsphase, wirkt vor allem das Vata Dosha. Auch Rakta (unser Blut) und Pitta spielen hier eine Rolle. So detailliertes Wissen brauchst du aber nicht, um diese Phase ideal für dich zu nutzen 😉

Vata wird unter anderem unserem Nervensystem zugeschrieben. Wollen wir diesen Einfluss von Vata ausgleichen, so ist es gut, wenn wir uns etwas Ruhe gönnen, sozusagen „unsere Nerven beruhigen“. In dieser Zeit steht der Rückzug und die Entspannung in Vordergrund. Mummel dich ruhig früh abends in dein Bett ein, lies etwas, gib dir eine Fußmassage mit Sesamöl, reduziere das Treffen mit Freunden und schalte, wenn möglich auf der Arbeit einen Gang zurück. Vor der Periode und während der ersten Tage der Periode sind unsere Geschlechtshormone auf dem Minimum, Serotonin sinkt gemeinsam mit Östrogen ab. Du kannst dich also etwas launisch und weniger energiegeladen fühlen und diese Tipps machen daher auch aus wissenschaftlicher Sicht viel Sinn. Nimm dir Zeit für dich.

Achte in der Phase vor und während deiner Menstruation auf erdende, wärmende Lebensmittel. Verzichte in großen Mengen auf blähende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder Rohkost. Iss alle Hauptmahlzeiten warm. Integriere gerne Gewürze wie Kreuzkümmel, Anis, etwas Ingwer und Muskat in deine Ernährung. Diese Empfehlungen gelten insbesondere, wenn du mit Krämpfen zu kämpfen hast.

Die Follikelphase – Hallo Kapha

Durch die niedrige Konzentration von Östrogen in den ersten Tagen der Periode wird das Hormon FSH (follikelstimulierendes Hormon) vermehrt gebildet. Das follikelstimulierende Hormon führt dazu, dass einige Follikel (10-12) in den Eierstöcken zum Wachstum angeregt werden. In diesen Eibläschen befindet sich die Eizelle. Dies geschieht ab dem ersten Tag der Periode. Diese Follikel produzieren Östrogen, welches ab dann weiter ansteigt und dazu führt, dass die Gebärmutterschleimhaut dicker wird.

Die Follikelphase steht ayurvedisch für die Kapha Phase. Kapha hat das Prinzip von Stabilität und Wachstum inne. Was wiederum dazu passt, dass unsere Gebärmutterschleimhaut „wächst“ und auch die Follikel sich entwickeln. Bei zu viel Kapha im allgemeinen kann es zu Schwere und Lethargie kommen. Denken wir wieder im ayurvedischen Grundsatz „Gegensätze gleichen sich aus“, heißt das für diese Phase zum Beispiel wir können uns beim Sport richtig auspowern und schwitzen. Auch aus physiologischer Sicht ist dies in dieser Phase sehr passend. Unsere Recover-Zeiten sind kürzer, die Sauerstoffaufnahme ist verbessert und wir haben eine höhere Schmerztoleranz. 

Ernährungstechnisch ist nun die Zeit für etwas leichtere Kost. Wir wollen zwar auch in dieser Phase unseren Körper nähren und du darfst gerne alle Makronährstoffe integrieren, reduziere aber beispielsweise deinen Getreideanteil auf dem Teller und iss etwas mehr Gemüse. Das höhere Östrogen verbessert zudem unsere Peristaltik und unsere Verdauung ist somit besser als in der vorherigen Phase. Ein Beilagensalat zum Mittag oder auch Hülsenfrüchte können jetzt wieder gut integriert werden. 

Du kannst die Energie von Kapha nun auch dafür nutzen Projekte zu strukturieren, vielleicht an Visionen und Zielen zu feilen oder für Prüfungen zu lernen, die Konzentration ist in dieser Zeit oft sehr gut. Durch den Anstieg an Östrogen, fühlen viele Frauen sich in dieser Phase sehr zufrieden und haben gute Laune. Na – errätst du es schon: Kapha steht unter anderem auch für Zufriedenheit.

Weiblicher Zyklus

Ovulation – Pitta is coming

Ab einem gewissen Östrogenspiegel erhält die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Aufforderung mehr luteinisierenden Hormon (LH) zu produzieren. Dieses führt schließlich zum Eisprung. Ein Follikel ist in der Follikelphase dominant geworden, dieser schießt die Eizelle regelrecht in den Eileiter.

In einem 28-tägigen Zyklus findet der Eisprung in der Regel am 14. Tag statt. Im Ayurveda wird ein Zyklus von 28 Tagen angestrebt. Heute sagen wir allerdings, dass ein Zyklus von 25 bis 35 Tagen als unbedenklich gilt, was ich persönlich gut finde. Unser Körper ist kein Uhrwerk und jeder ist individuell, wir sollten uns nicht zu zwanghaft an einer Zahl festhalten. Bleib in diesem Bereich also gerne gelassen 😉

Während der Eisprungphase wirken aus ayurvedischer Sicht sowohl Pitta als auch Kapha. Kapha steht hier für das Wachstum, die Fruchtbarkeit und Pitta für die umsetzende Kraft. Frauen wirken in dieser Zeit besonders attraktiv und charismatisch. Aus ayurvedischer Sicht ein Zusammenspiel der beiden Doshas. Aus biologischer Sicht ist dies der Zeitpunkt, zu der eine Empfängnis stattfinden sollte. Dafür gibt die Natur alles 😉

Lutealphase – Vata und Pitta geben sich die Hand

Der Follikel wird nun zum Gelbkörper und beginnt das Hormon Progesteron zu erzeugen und in geringen Mengen auch Östrogen. Die Phase, die nun beginnt, nennt sich Lutealphase. Der Östrogenspiegel fällt im Vergleich zur Follikelphase nach dem Eisprung ab und Progesteron dominiert unseren Zyklus. In den Tagen nach dem Eisprung, kannst du die umsetzende Kraft von Pitta noch sehr gut nutzen und einige Projekte, die du vielleicht in der Kapha Phase begonnen hast zu Ende bringen. 

Was die Ernährung angeht, kannst du in dieser Zeit seht gut auf  scharfe oder saure Substanzen verzichten. Du kannst dafür zu dieser Zeit mittags weiterhin Rohkost integrieren und auch Hülsenfrüchte dürfen gerne noch auf dem Plan stehen. Alles wie immer nach individuellem Jartharagni (Verdauung) 😉 

Pitta und Vata vermischen sich immer weiter und die Tage vor den Tagen ist meist das Vata Dosha schon wieder recht präsent und du darfst dir wieder etwas mehr Ruhe gönnen. Dies ist von der Natur durchaus so vorgesehen. Je höher der Progesteronspiegel wird, desto eher sagt uns unsere Intuition, dass wir uns zurückziehen dürfen. Denn so wird, im Falle einer Schwangerschaft, das neue Leben geschützt. Wenn du unter Schwerzen während deiner Periode leidest, kann es helfen auch prämenstruell schon weitestgehend auf bähenden Lebensmitteln zu verzichten. 

Wenn keine Schwangerschaft eintritt, stirbt der Gelbkörper nach circa 12 bis 16 Tagen nach der Ovulation ab, wodurch der Östrogen- und der Progesteronspiegel abnehmen und zu einem Minimum kommen. Dies löst wiederum die Blutung aus. Durch den Abfall von Östrogen und Progesteron wird FSH nicht mehr unterdrückt und ein neuer Zyklus beginnt. 

Der Menstruationszyklus und die entsprechenden Empfehlungen sind so unglaublich spannend und es würde noch viel mehr zu berichten geben, allerdings ist das alles schon recht viel, wenn du es das erste Mal liest. Daher verschieben wir die anderen Inhalte auf einen weiteren Blogbeitrag und ich hoffe, dass dir dieses Wissen schon einmal viel Freude gemacht hat und du etwas für deinen Alltag mitnehmen kannst.

Ich muss sagen, ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich feststelle wie gut die Wissenschaft an so vielen Stellen zu Ayurveda passt und Ayurveda uns so ein erprobtes, praxisnahes System für unseren Alltag zur Verfügung stellt 😊

Kleiner Tipp: Solltest du dich für das Thema interessieren, kann mein Buch etwas für dich sein 😊

Hab einen tollen Tag!

Photo by Priscilla Du Preez on Unsplash | Photo by Rowan Chestnut on Unsplash

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