PMDS: Wie du eine hormonelle Depression erkennst

PMDS oder PMDD - die hormonelle Depression

Hast du den Eindruck, dass deine Gedanken und Gefühle immer kurz vor deiner Periode sehr düster werden? Bis zu einem gewissen Grad sind Stimmungsschwankungen im Zyklusverlauf normal. Bei manchen Frauen zeigt sich allerdings eine hormonelle Depression: Sie ist nicht zu unterschätzen und sollte therapiert werden. Hier erfährst du, wie du PMDS erkennen und behandeln kannst.

Hormone, Zyklus und Stimmung hängen zusammen

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Wir alle sind hormongesteuert. Die kleinen, bescheidenen Botenstoffe sind für zahlreiche Prozesse und Reaktionen in unserem Körper verantwortlich. Ohne die Arbeit der Hormone könnten wir nicht überleben. Das natürliche Auf und Ab der Hormone kann aber manchmal auch unliebsame Auswirkungen auf uns haben: Ein Beispiel sind die Stimmungsschwankungen, die viele Frauen im Verlauf ihres Zyklus erleben.

In der ersten Hälfte deines Zyklus, also vom ersten Tag deiner Periode bis zum Eisprung, ist das Hormon Östrogen dominant. Während dieser Zeit haben wir in der Regel mehr Energie, sind risikofreudiger und begeisterungsfähiger. Das liegt unter anderem daran, dass Östrogen auch die Level der beiden Glückshormone Dopamin und Serotonin steigert. Nach dem Eisprung übernimmt das Gelbkörperhormon Progesteron das Ruder: Die meisten von uns mögen es dann ruhiger und kuscheln sich lieber zu Hause ein, als sich ins nächste Abenteuer zu stürzen.

PMS vs. PMDS: Was ist der Unterschied?

Kurz vor dem Beginn der Menstruation erleben fast 80 Prozent der Frauen die typischen Anzeichen von PMS, dem sogenannten prämenstruellen Syndrom. Insgesamt gibt es etwa 150 Symptome, die mit PMS in Verbindung stehen. Zu Krämpfen im Unterleib, einem Spannungsgefühl in der Brust, Heißhunger und Kopfschmerzen gesellen sich in dieser Phase oft auch Unruhe, Angstgefühle, eine erhöhte Sensibilität und teils starke Stimmungsschwankungen. Wie ausgeprägt die PMS-Symptome sind, ist von Frau zu Frau unterschiedlich.

Wenn du also merkst, dass du vor deinen Tagen oft etwas empfindlicher oder emotionaler reagierst, mach dir keine Sorgen: Bis zu einem gewissen Grad ist das ganz normal. Anders sieht es aus, wenn deine psychischen Symptome so stark sind, dass sie dich in deinem Alltag einschränken. PMDS, die sogenannte prämenstruelle dysphorische Störung (im Englischen PMDD für premenstrual dysphoric disorder) ist eine Art hormonelle Depression. Schätzungen zufolge leiden etwa fünf Prozent aller menstruierenden Frauen unter PMDS bzw. PMDD. 

Eine solche hormonelle Depression kann für Betroffene sehr belastend sein. PMDS ist keine Laune, sondern eine besonders schwere Form von PMS. Die Anzeichen sollten genauso ernst genommen werden wie bei einer nicht-hormonell bedingten Depression, denn PMDD birgt dieselben Risiken. In sehr schweren Fällen können negative Gedanken und Gefühle sogar zu Suizidgedanken führen.

PMDD: Symptome einer hormonellen Depression

PMDS ist eine Differenzialdiagnose, bei der zuerst eine Reihe von anderen Störungen und Erkrankungen ausgeschlossen werden. Um herauszufinden, ob es sich wirklich um eine hormonelle Depression in Form von PMDD handelt, werden dann vor allem der Zeitpunkt, die Regelmäßigkeit und die Schwere der Symptome betrachtet.

Im Unterschied zu den „normalen“ PMS-Symptomen, die wenige Tage vor der Periode einsetzen, beginnt PMDS häufig schon früher – bei manchen Frauen sogar direkt mit dem Eisprung. Sobald die Periode abklingt, lassen auch die Symptome nach. Die emotionalen Auswirkungen von PMDS gehen weit über leichte Stimmungsschwankungen hinaus und können dazu führen, dass die betroffenen Frauen sich ihrem Alltag nicht mehr gewachsen fühlen.[1]

Typische Symptome von PMDS:  

  •       Starke depressive Verstimmungen
  •       Panik, Angst oder Unruhe
  •       Reizbarkeit, ggf. Aggressivität
  •       Konzentrationsprobleme
  •       Bleierne Müdigkeit und Energielosigkeit
  •       Schlaflosigkeit oder Schlafstörungen
  •       Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken
  •       Lethargie und Schweregefühl
  •       Verlust von Interesse an Menschen und Aktivitäten
  •       Gefühle von Abstumpfung, Überforderung oder Verzweiflung
  •       Gedanken an Tod oder Selbstmord
  •       Ggf. körperliche Symptome wie Kopf- und Muskelschmerzen

Depression und Hormone: Mögliche Ursachen von PMDD

Wir wissen noch nicht ganz genau, was die Auslöser von PMDS sind. Inzwischen gibt es aber klare Hinweise darauf, dass PMDS keine psychische Störung ist, sondern körperliche Ursachen hat.[2] Es sieht so aus, als ob manche Frauen einfach von Natur aus sensibler auf die Schwankungen des weiblichen Hormonsystems reagieren.

Es wird vermutet, dass auch eine familiäre Veranlagung, die Lebensgewohnheiten und das individuelle Stressempfinden eine Rolle spielen. Eine weitere Theorie ist, dass chronische und stille Entzündungen im Körper möglicherweise PMDS begünstigen können. Studien konnten zeigen, dass Frauen, die unter starken PMS-Beschwerden litten, in vielen Fällen gleichzeitig erhöhte Entzündungsmarker zeigten.

PMDS behandeln: Was hilft?

Ein großes Problem ist, dass PMDS oft erst sehr spät oder gar nicht diagnostiziert wird. Nur wenige Ärzt*innen kommen auf die Idee, dass es sich um eine hormonelle Depression handeln könnte. Stattdessen erhalten viele Frauen die Diagnose Depression oder bipolare Störung. Wenn du merkst, dass deine Symptome zyklisch auftreten und abklingen, kann es helfen, über einen längeren Zeitraum eine Art Tagebuch zu führen. Das kannst du dann zu deinem nächsten Besuch bei spezialisierten Gynäkolog*innen oder Endokrinolog*innen mitnehmen.

Um PMDS zu behandeln, empfehle ich dir in jedem Fall, dir Unterstützung durch erfahrene Therapeut*innen zu suchen. Du kannst zum Beispiel online nach Ärzt*innen suchen, die PMDS erwähnen – oder du fragst direkt in der Praxis nach, bevor du einen Termin vereinbarst. Daneben gibt es einige Dinge, die du tun kannst, um deine PMDS-Symptome zu lindern. Im ersten Schritt geht es darum, mögliche Stressoren auszuschalten, zurück zu dir zu finden und für Entspannung zu sorgen. Yoga, Meditation, viele Pausen und ausgedehnte Aufenthalte an der frischen Luft sind dabei Gold wert.

Ernährung bei PMDS

Wenn du vermutest, dass du an einer hormonellen Depression leidest, ist es sinnvoll, Stimulanzien wie Alkohol und Koffein erst einmal von deinem Speiseplan zu streichen. Ähnliches gilt für Zucker, Fertigprodukte und alle stark verarbeitenden Lebensmittel. Unter Umständen kann es helfen, eine antientzündliche Ernährung auszuprobieren, in der du zum Beispiel auch Milchprodukte für eine Weile weglässt. Setze stattdessen auf frisch zubereitete Mahlzeiten mit viel Gemüse und langsamen Kohlenhydraten. Aus ayurvedischer Sicht ist gekochte Nahrung leichter verträglich und nährender als Rohkost.

Versuche, deinen Blutzucker stabil zu halten, indem du regelmäßig isst, Kohlenhydrate grundsätzlich mit hochwertigen Fetten und Proteinen kombinierst und Zwischenmahlzeiten vermeidest. Alle Hormone in unserem Körper sind miteinander vernetzt und beeinflussen sich gegenseitig. Auch (Intervall-)Fasten ist deshalb bei PMDS keine gute Idee: Für deinen Körper ist Fasten eine Notsituation – das führt dazu, dass er Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin ausschüttet. Diese wiederum wirken sich auf andere Hormone und Vorgänge im Körper aus, was deine Beschwerden noch verschlimmern kann.

Vitamine bei PMDS: Mängel finden und ausgleichen

Ich halte wenig davon, wahllos Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. In bestimmten Fällen und unter Aufsicht können hochwertige Präparate aber durchaus hilfreich sein. Ein umfassender Bluttest hilft dir, eventuelle Nährstoffmängel aufzudecken. Leider werden diese Tests in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Bei PMDS und hormonellen Depressionen werden unter anderem Magnesium, Zink, Jod, Vitamin B6 und Taurin als mögliche Helfer diskutiert. Bei Frauen, die unter milden PMS-Beschwerden leiden, hat sich gerade Magnesium vielfach bewährt. Naturheilkundlich orientierte Therapeut*innen verschreiben bei PMDS gerne Mönchspfeffer (Vitex Agnus Castus). Die Pflanze hat eine progesteronähnliche Wirkung und soll so Beschwerden lindern, die mit einem eventuellen Progesteronmangel zusammenhängen.[3] Doch Vorsicht: Bei manchen Frauen kann ein Anstieg von Progesteron umgekehrt Angst und Unruhezustände auslösen.  

Bevor du anfängst, dich mit Tabletten einzudecken, empfehle ich dir, unbedingt den Rat von Ärzt*en, Heilpraktiker*innen oder Orthomolekularmediziner*innen einzuholen. Mit manchen Produkten oder zu hohen Dosierungen kannst du nämlich auch Schaden anrichten.

So hilfst du Klientinnen mit PMDS

Als klassische Behandlungsmethoden bei PMDS verschreiben Therapeut*innen häufig Antidepressiva oder die Anti-Baby-Pille. Aus meiner Sicht unterdrückt vor allem letzteres aber nur die Symptome, anstatt das Problem an der Wurzel zu packen. Um es mit den Worten von Lara Briden zu sagen: „Östrogen und Progesteron sind kraftvolle Assets, die wir nicht einfach durch die Gabe hormoneller Verhütungsmittel abschalten sollten.“ [4][5] Das deckt sich mit den Prinzipien des Ayurveda, bei dem wir nicht ein einzelnes Symptom, sondern den gesamten Menschen betrachten.

Um die Belastung der Betroffenen zu verringern, empfiehlt sich eine Ernährungsumstellung, die der ayurvedischen Konstitution entspricht. Neben der individuellen und familiären Krankheitsgeschichte, der Darmgesundheit, der Nährstoffversorgung und den allgemeinen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ist es sinnvoll, das subjektiv empfundene (emotionale) Stresslevel deiner Klientinnen zu prüfen. Es gibt zum Beispiel Studien, die zeigen, dass Zeit in der Natur die Symptome von PMS lindern kann. [6] Darüber hinaus sind sanfte Bewegung, ausgleichende Atem- und Achtsamkeitsübungen und Meditationstechniken wertvolle Tools, um die Lebensqualität zu verbessern.

Auch wenn sie nur zeitweise auftritt: Eine hormonelle Depression ist eine potenziell schwere chronische Erkrankung, die für die Betroffenen eine große Belastung darstellt. Wenn du bei einer deiner Klientinnen PMDS vermutest, empfehle ich dir, sehr einfühlsam und wachsam zu sein und abzuwägen, ob du dich der Situation gewachsen fühlst. Bei sehr großem Leidensdruck kann die Klientin möglicherweise von einer Psycho- oder Hormontherapie profitieren. Leider ist es (noch) relativ schwierig, Therapeut*innen zu finden, die sich mit PMDS auskennen: Hier kann es helfen, wenn mehrere Expert*innen zusammenarbeiten und verschiedene Ansätze ausprobieren. 

Du bist Ayurveda Expertin und möchtest mehr über Ayurveda, Frauengesundheit und Hormone lernen? Dann melde dich gerne unverbindlich für meine Warteliste zur Weiterbildung “Ayurveda Coach für Frauengesundheit” an. 

PMDD / PMDS: Eine hormonelle Depression solltest du ernstnehmen

Falls du regelmäßig kurz vor deiner Periode ausgeprägte Stimmungstiefs erlebst, leidest du vielleicht an PMDS, einer hormonellen Depression. Dabei handelt es sich um eine ernsthafte und chronische Erkrankung, die mit großer Wahrscheinlichkeit körperliche Ursachen hat. Antidepressiva und die Einnahme der Anti-Baby-Pille können die Symptome zwar unterdrücken, lösen jedoch nicht das Problem.

Im Sinne des Ayurveda halte ich einen ganzheitlichen Ansatz für sinnvoll, bei dem du dich bemühst, deinen Lebensstil und deine Ernährungsweise den Bedürfnissen deines Körpers anzupassen. Der Ayurveda bietet viele wirkungsvolle Werkzeuge, um zu deiner Balance zurückzufinden und deine Hormone natürlich zu regulieren

 

Studien und weitere wertvolle Ressourcen: 

  • [1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2440788/ 
  • [2] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72278/Biologische-Ursache-der-praemenstruellen-dysphorischen-Stoerung-
  • [3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2440788/
  • [4] https://www.larabriden.com/the-pms-solution-3-steps-to-hormonal-resilience/
  • [5] https://www.larabriden.com/how-to-improve-premenstrual-mood-symptoms/ 
  • [6] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412021006000 

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