Ist Stress der Grund für deine Zyklusprobleme? (Teil 1)

In diesem Teil 1 des gesamten Beitrags erkläre ich dir erst einmal, warum ich es als kritisch einstufe immer von Stressminimierung zu sprechen, wie Stress aus moderner Sicht eingeordnet wird und wie du Stress aus ayurvedischer Sicht differenzieren kannst. Damit du dich und dein Stresslevel direkt reflektieren kannst, bekommst du außerdem einen kleinen Einblick in einige meiner Coaching Fragebögen, mit denen auch du direkt arbeiten kannst. In Teil 2 erfährst du dann, welche Art von Stress welche Auswirkungen auf deinen Körper haben kann und zudem Tipps, wie du damit umgehen kannst. Ganz viel Freude mit diesem Artikel!

Wir hören überall und ständig, dass wir unseren Stress minimieren müssen. An dieser kurzen Aussage stören mich schon zwei Punkte. Der erste ist, dass das Wort “müssen” alleine schon Stress auslösen kann. Wir sind also bereits von dem Gedanken gestresst, dass wir uns nicht stressen lassen dürfen – paradox, oder? Der zweite Punkt ist, dass es in unserer heutigen Welt kaum möglich ist den Stress zu minimieren. Wir können nicht einfach unseren Job kündigen (den wir grundsätzlich mögen); unserer Familie sagen, dass wir zwei Wochen auf eine einsame Insel verschwinden (die wir natürlich auch lieben); Rechnungen nicht bezahlen; jeglichen sozialen Konflikten aus dem Weg gehen oder nie wieder das Handy, den Laptop oder den Fernseher nutzen. Daher nutze ich viel, viel lieber statt Stressminimierung, Stressmanagement. 

Ein Wort, dass für mich und auch für alle meine Klientinnen die Last von den Schultern nimmt, dass wir Stress immer minimieren müssen. Ein gutes Stressmanagement zu etablieren und fortlaufend zu praktizieren ist keinesweges immer einfach. Aber es ist möglich, sehr sehr gut sogar. Der Ayurveda gibt und Möglichkeiten an die Hand unseren Stress ganzheitlich zu managen, einen nachhaltigen Weg zu finden mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen und wirklich langfristige Veränderungen für uns zu finden. Ein individuelles Stressmanagement ist eine nicht weniger wichtige Säule als eine individuelle, erfüllende Ernährung. 

Stress aus moderner Sicht 

Cortisol ist bei den meisten als unser Stresshormon bekannt. An dieser Stelle möchte ich für Cortisol eine Lanze brechen, denn ohne Cortisol würdest du nicht auf dem Bett kommen. Cortisol ist gemeinsam mit Melatonin maßgeblich an unserem Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt und hat eine ganz normale Kurve über den Tag verteilt. Wir haben also immer ein gewisses Maß an Cortisol in unserem Körper. 

Hier ein kleiner Exkurs: Diese Kurve erklärt übrigens unter anderem, warum die Morgenstunden dem Kapha Dosha zugeschrieben werden. Kapha steht für Stabilität und auch lang anhaltende Konzentration – durch das höhere Cortisol am Vormittag können sich viele Menschen genau zu dieser Zeit besser konzentrieren als an anderen Zeiten des Tages. Ist Ayurveda nicht großartig – all diese Dinge konnten mit Hilfe dieser wunderbaren Lehre schon vor über 2.000 Jahren erklärt werden, ohne dass je einer schon etwas von einem Hormon gehört hatte. Einfach weil die Natur, zu der auch wir Menschen zählen, beobachtet wurde. 

Kein Hormon an sich ist gut oder schlecht – es kommt immer auf die Balance an. 

Aus moderner Sicht werden zwei Arten von Stress unterschieden. Der Distress ist der negative Stress und der Eustress ist der positive Stress. Wie du eine Art von Stress wahrnimmst, kommt ganz enorm auf deine Bewertung, dein Mindset an. Stress auf der Arbeit kann sowohl positiv als auch negativ sein. Liebst du deine Arbeit und gehst ihr mit vollem Herzen nach, wirst du in hektischen Phasen den Stress eher als positive Energie nutzen. Magst du deine Arbeit nicht, fühlst dich in deinem Sozialgefüge auf der Arbeit nicht wohl, wirst du eher unter Disstress leiden. 

Stress aus ayurvedischer Sicht 

Ayurveda beschreibt das Gleichgewicht von “Body, Mind and Soul”, das macht die Ganzheitlichkeit von Ayurveda aus und trifft auch im Bereich Stress ins Schwarze. Dein Körper reagiert auf deine Gedanken und deine Gefühle in bestimmten Situationen. Das spannende ist, dass wir alle anders mit Stress umgehen. Und hier kommen natürlich die Doshas im Sinne der Konstitution ins Spiel. 

Schauen wir uns zunächst die Prädisposition auf Grund der Prakriti an. Vata und Pitta Konstitutionen (Prakriti) sind deutlich anfälliger für Stress als Kapha Konstitutionen. Wobei Vata noch anfälliger ist als Pitta. Vata spürt den Stress schnell und reagiert auch sehr schnell mit körperlichen Symptomen. Wohingegen Pitta Konstitutionen oft versuchen negative Gefühle wegzudrücken oder abzutun. Für Pitta Konstitutionen ist es ein lebenslanger Lernprozess ins Spüren zu kommen, da Pitta Menschen oft sehr kopfgetrieben sind und nicht einsehen eine Pause zu machen. 

Hier spielen auch die geistigen Qualitäten Sattva, Rajas und Tamas eine bedeutende Rolle. Eine Pitta Persönlichkeit mit viel Sattva wird schon deutlich besser auf sich hören können als eine Pitta Persönlichkeit mit viel Rajas. Generell gilt gemäß Ayurveda, dass wir Sattva immer stärken wollen, Rajas immer managen wollen und Tamas minimieren wollen. 

Jede Konstitution kann allerdings unter Zyklusbeschwerden auf Grund von Stress leiden, je nachdem welcher Vikriti Zustand vorherrscht. Vikriti bedeutet eine ungesunde Aggravation eines Dosha. Um ein Beispiel zu nennen, kann auch eine Kapha Konstitution an Vata bedingten Menstruationsproblemen leiden, wenn ein sehr Vata vermehrender Lebensstil gepflegt wird. Die Wahrscheinlichkeit ist bei einer Kapha Konstitution nur geringer als bei einer Vata Konstitution. 

Ich weiß, das ist nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen oder super leicht dies selbst bei sich einzuordnen. Aber genau dafür gibt es Ayurveda Experten*innen, die dich unterstützen können, mit dir gemeinsam herausfinden was eigentlich los ist und eine individuelle Lösung gemeinsam mit dir erarbeiten. 

Dein Status 

In meiner Arbeit mit Klientinnen direkt dreht sich ganz viel darum, dass wir herausfinden woher die Probleme kommen, sodass wir an der Ursache arbeiten können. Denn genau das ist im Ayurveda der erste Schritt. Es wird also viel reflektiert, es werden viele Fragen gestellt und wir gehen tief in unzählige Thematiken aus dem Leben ein. Ein Tool davon möchte ich nun mit dir teilen. Ich arbeite viel mit Fragebögen, um meine Klientinnen bei der Reflexion zu unterstützen. Im Rahmen von Stress habe ich drei Fragebögen erarbeitet, zwei die sich mehr mit den Hormonen beschäftigt und einen der sich eher mit der ayurvedischen Sichtweise beschäftigt. Aus beiden zeige ich dir nun einen Ausschnitt und du kannst ihn für dich ganz in Ruhe beantworten und über die verschiedenen Punkte nachdenken. Lerne dich ein bisschen besser kennen und erfahre so erste Ansätze, wie du dein Stressmanagement angehen darfst. 

Hormon-Fragebogen

Fragebogen A

  • Mein Leben fühlt sich unglaublich stressig an 
  • Ich habe überschüssiges Gewicht, besonders um meine Hüfte herum und es fällt mir sehr schwer sie abzunehmen 
  • Ich kann sehr schlecht einschlafen 
  • Ich kann sehr schlecht durchschlafen 
  • Ich werde zwischen 2 und 4 Uhr nachts wach und kann dann nicht mehr einschlafen 
  • Ich wache morgens auf und meine Gedanken drehen sich direkt um meine To-Do Liste 
  • Ich werde sehr schnell sauer und wütend

Fragebogen B

  • Ich kann einfach nicht auf Kaffee verzichten 
  • Ich fühle mich morgens nie ausgeschlafen (auch, wenn ich 8 Stunden geschlafen habe) 
  • Nachmittags falle ich in ein totales Tief
  • Ich habe ständig Lust auf Süßigkeiten oder salziges Essen 
  • Ich habe lange sehr stressige Phasen gehabt und habe sie auch aktuell noch 
  • Ich kann schlecht ein- oder durchschlafen 
  • Ich werde oft krank 
  • Ich brauche lange, um wieder gesund zu werden 

Ayurveda 

Fragebogen C

  • Ich fühle mich oft hoffnungslos und überfordert (Vata)
  • Ich habe oft Angst ohne einen bestimmten Grund zu haben (Vata)
  • Ich habe sehr oft ein Gedankenkarussell (meist negativ) (Vata)
  • Ich verspüre oft Langeweile (Kapha)
  • Ich verspüre oft Trägheit und Lustlosigkeit (Kapha)
  • Ich bin sehr leicht reizbar (Pitta)
  • Ich fresse Stress oft in mich hinein, weil ich Harmonie nicht gefährden möchte (Vata)
  • Ich werde oft laut (Pitta)
  • Ich spüre unter Stress oft, dass mein Herz schneller schlägt (Vata) 
  • Ich habe häufig Verstopfungen oder Blähungen (Vata)
  • Ich habe nervöse Durchfälle (Vata)
  • Ich tendiere immer eher zu lockerem Stuhl oder Durchfällen, das zeigt sich auch bei Stress (Pitta) 
  • Ich leide unter Sodbrennen (Pitta) 
  • Ich bin ständig müde, auch wenn ich ausreichend schlafe (Kapha/Tamas)
  • Ich habe gelegentlich oder oft ein Piepen in den Ohren/Tinnitus (Vata)

Der Fragebogen 1 und der Fragebogen 2 zeigen an, dass eine hormonelle Dysbalancen auf Grund von Problemen mit Cortisol ein Thema sein können. Der dritte Fragebogen gibt dir Aufschluss darüber, welche Doshas bei deiner Stressproblematik eine Rolle spielen können. Solltest du bei einem oder mehreren der drei Fragebögen mehr als 3 Punkte angekreuzt haben, ist es ratsam ein langfristiges, effektives und nachhaltiges Stressmanagement zu etablieren sowie am Mindset zu arbeiten. Was Stress genau mit deinem Zyklus macht und Tipps wie du daran arbeiten kannst erhältst du im kommenden Blogbeitrag. Melde dich gerne für meinen Newsletter an, um zu erfahren, wann der nächste Beitrag erscheint.

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